108 Mal, unter Yeshis Händen
Einhundertacht Perlen. Jede einzeln von Hand graviert, mit denselben sechs Silben: Om Mani Padme Hum. Dann wird jede mit weißem Pigment gefüllt, sodass das Mantra über Jahre hinweg auf dem schwarzen Achat lesbar bleibt. Anschließend wird jede einzelne Perle auf einer geflochtenen Seidenschnur verknotet, damit sie beim Zählen einen eigenen Platz zwischen den Fingern findet.
Nennen Sie die Person, die diese Arbeit ausführt, Yeshi. Wie bei den anderen Handwerkern, die Sie in dieser Serie kennengelernt haben, handelt es sich nicht um eine nachverfolgbare Person: Es ist ein echtes Handwerk, das in der tibetischen Tradition der Mala-Herstellung weitergegeben wird und hier eine Stimme erhält, um es angemessen zu beschreiben.
Einhundertacht identische Gravuren, und doch ist keine davon genau wie die andere. Die Hand bewegt sich leicht von Perle zu Perle, ein Strich ist hier etwas kräftiger, dort etwas feiner. Das ist es, was eine handgefertigte Mala von einem massenproduzierten Produkt unterscheidet: Wiederholung löscht die Hand nicht aus, sie offenbart sie.
Die Zahl 108 ist nicht willkürlich gewählt. In der buddhistischen Kosmologie repräsentiert sie die 108 Leiden des menschlichen Geistes. Eine Zahl, die so groß ist, dass man sie nicht als Ganzes im Kopf behalten kann, was vielleicht auch der Sinn ist: Man zählt eine Perle nach der anderen, ohne zu versuchen, alles in einem einzigen Schritt zu lösen. Schwarzer Achat wird aufgrund seiner Härte gewählt, die eine feine Gravur ohne Absplitterungen ermöglicht, und weil er das weiße Pigment Jahr um Jahr sauber hält.

Eine größere Guru-Perle markiert den Wendepunkt beim Rezitieren. Man zählt sie nicht, sondern kehrt die Richtung um, wenn man sie erreicht. Daran hängt eine kleine Seidenquaste. Die vollständige Kette ist etwa 80cm lang, lang genug, um sie zwischen den Sitzungen einfach als Schmuck zu tragen, der eine Funktion hat, bevor er einen Stil besitzt.
Sie müssen das Mantra nicht rezitieren, um diese Kette zu tragen. Viele Menschen tragen sie einfach um den Hals als eine leise Erinnerung und nehmen sie nur dann in die Hand, wenn sie das Bedürfnis danach verspüren, was auf seine eigene Weise bereits eine Form der Praxis ist.






